Die Haut als Spiegel der Seele: Ein Interview mit Dr. Galffy über die Psychosomatik der Neurodermitis
Neurodermitis betrifft nicht nur die Haut, sondern auch die Psyche der Betroffenen. Oft werden die emotionalen Schwierigkeiten, die mit der Krankheit einhergehen, übersehen. Dr. Matyas Galffy, Experte für Psychiatrie und Psychotherapie, erklärt in diesem Interview, wie eng Haut und Emotionen miteinander verbunden sind.
Die Haut als Spiegel der Seele – was ist eigentlich damit gemeint?
Dr. Galffy: Das ist eine Metapher, die aufzeigt, wie unsere Haut innere Emotionen reflektiert. Bei Neurodermitis-Patienten können Belastungen wie Juckreiz und Schlafstörungen emotionale Reaktionen wie Angst und Depression auslösen. Diese sind nicht zwingend Anzeichen einer psychischen Erkrankung, sondern können eher temporäre Belastungen sein, die eng mit den körperlichen Beschwerden in Zusammenhang stehen.
Gibt es Unterschiede, wie Männer und Frauen die Haut wahrnehmen?
Dr. Galffy: Ja, das ist ein sehr interessanter Punkt: Frauen nehmen ihre Haut oft als Kommunikationsorgan wahr – verbunden mit sozialen und emotionalen Aspekten. Männer betrachten ihre Haut eher als Schutzorgan. Diese unterschiedlichen Perspektiven können dazu führen, dass jeweils andere Therapieansätze und Wege zur Krankheitsbewältigung erforderlich sind.
Welche Therapieansätze schlagen Sie vor, um die emotionale Belastung der Patienten zu reduzieren?
Dr. Galffy: Ein effektiver Ansatz, den ich verwende, ist die Frage an die Patienten, ob sie „gesund sein“ oder einfach nur „nicht mehr krank sein“ möchten. Diese Frage hilft uns zu verstehen, wie die Patienten ihre Erkrankung wahrnehmen und welche Erwartungen sie an die Therapie haben. Wenn wir wissen, was dem Patienten wichtig ist, können wir die Therapieziele individueller gestalten und besser auf ihre Bedürfnisse eingehen. Das stärkt auch die Motivation und das Vertrauen der Patienten in die Behandlung.
Haut und Emotionen sind eng verwoben – ein ganzheitlicher Behandlungsansatz umfasst körperliche als auch psychische Aspekte
— Dr. Matyas Galffy
Wie beeinflussen Angst und Juckreiz einander?
Dr. Galffy: Juckreiz wird im Gehirn ähnlich wie Angst verarbeitet, was einen Angst-Juckreiz-Zyklus erzeugen kann. Wenn jemand unter starkem Juckreiz leidet, kann das zu Stress und Anspannung führen, was wiederum die Intensität des Juckreizes verstärken kann. Dieser Prozess kann schließlich das Angstniveau erhöhen. Diese erhöhte Angst kann dann den empfundenen Juckreiz intensivieren, wodurch ein immer stärker werdender Angst-Juckreiz-Zyklus entsteht und die Betroffenen das Gefühl des Kontrollverlustes über ihre Beschwerden bekommen. Deshalb ist es wichtig, Neurodermitis medizinisch zu behandeln und psychologische Unterstützung anzunehmen, um den Juckreiz besser zu kontrollieren.
Was ist wichtig für eine ganzheitliche Management der Neurodermitis?
Dr. Galffy: Es ist essenziell, dass wir die psychischen Herausforderungen der Patienten ernst nehmen und sie in ihrem Krankheitsverlauf begleiten. Therapiepläne sollten individuell angepasst werden und sowohl die körperlichen als auch die seelischen Bedürfnisse der Patienten berücksichtigen, um ihre Lebensqualität zu verbessern.
Stand der Information: 1. September 2025