Neurodermitis -

Wie wird es behandelt?

Kratzen, kratzen, kratzen?
Es ist Zeit für Veränderungen!


Neurodermitis ist noch nicht heilbar, jedoch läuft die Forschung und Entwicklung von Medikamenten zur noch besseren Behandlung auf Hochtouren. Es gibt moderne  Therapien und Wirkstoffklassen, die den Juckreiz und die Schmerzen lindern können. Sprich mit deinem Hautarzt über eine neue Lösung!

Was gibt es Neues?

Neurodermitis kann das Leben ganz schön erschweren.  Eine passende Behandlung trägt dazu bei, dass du dich in deiner Haut wieder wohlfühlst. Hautarzt Priv. Doz. Dr. Rainer Hügel gibt einen Überblick über das  Behandlungsspektrum einschließlich neuer Therapien und Wirkstoffklassen. 


"Heutzutage haben wir ein besseres Verständnis über die Erkrankung. Durch diese Erfahrungen konnten viele neue Medikamente entwickelt werden. Ich ermutige Sie, Rücksprache mit Ihrem Hautarzt bzw. Ihrer Hautärztin zu halten, wenn Sie an Neurodermitis leiden und nicht ausreichend behandelt sind." 

 

Priv. Doz. Dr. Rainer Hügel, Hautarzt am Entzündungszentrum Wien und Bregenz

Neurodermitis behandeln

Neurodermitis ist heutzutage gut behandelbar. Die Therapie hängt von der Schwere der Erkrankung ab. Der Schweregrad richtet sich nach der Anzahl und dem Ausmaß der entzündeten Hautstellen sowie der Belastung durch die Erkrankung. Das Gespräch mit deinem Hautarzt ist ein wichtiger Schlüssel, um den zu dir passenden Plan zu entwickeln.

Hautpflege

Für alle Schweregrade kommt eine topische Basistherapie mit rückfettenden, pflegenden Cremen, Salben oder Lotionen zum Einsatz.

Die Basispflege ist für alle Patienten wichtig, unabhängig davon, ob sie gerade einen Schub haben oder nicht. 

Leichte Neurodermitis: Trockene Haut

Leichte Neurodermitis wird mit einer Basistherapie behandelt. Die überwiegend sehr trockene Haut soll zweimal täglich mit rückfettenden und pflegenden Cremen und Lotionen eingecremt werden. Zur Hautreinigung eignen sich am besten seifenfreie Produkte und lauwarmes Wasser.

Leichte Neurodermitis: Schübe und leichte Ekzeme

Im akuten Schub, wenn Symptome und starker Juckreiz vorherrschen, werden meist kortisonhaltige Cremen und Salben in unterschiedlicher Konzentration verordnet. Diese werden bis zum Abklingen der Entzündungen verwendet und dann langsam ausgeschlichen. Auch Phototherapie (UV-Licht-Bestrahlungen) und Calcineurin-Inhibitoren werden eingesetzt. All diese Therapien werden äußerlich angewendet und sind bei einem leichten, unkomplizierten Verlauf sinnvoll.

Mittelschwere oder schwere Neurodermitis: zeitweilig stärker ausgeprägte Ekzeme

Bei mittelschweren Anzeichen werden die genannten Medikamente höher dosiert bzw. auch Lichttherapien angewendet. Wenn die äußerliche Behandlung nicht mehr ausreicht, können systemische (innerlich wirkende) Medikamente zum Einsatz kommen.

Mittelschwere oder schwere Neurodermitis: anhaltend stärker ausgeprägte Ekzeme

Bringen äußerlich angewendete Therapien keine Besserung, können systemische  Medikamente angewendet werden. Systemische Medikamente wirken innerhalb des Körpers. Dazu zählen bisher verfügbare herkömmliche Immunsuppressiva sowie moderne Systemtherapien:

Zu den bisherigen systemischen Therapien gehören Immunsuppressiva, zum Beispiel Ciclosporin A. Diese konventionellen Immunsuppressiva unterdrücken das Immunsystem sehr breit und gehen meist mit starken Nebenwirkungen einher. Deshalb sind sie als Langzeittherapie nicht geeignet.

In den letzten Jahren gab es große Fortschritte in der Entwicklung und Erforschung moderner Systemtherapien für Patienten mit einer mittelschweren bis schweren Neurodermitis. Im Gegensatz zu den konventionellen Systemtherapien greifen sie sehr gezielt in das Entzündungsgeschehen ein und unterbinden die überschüssige Immunreaktion, die für die chronische Entzündung verantwortlich ist.

Dazu zählen Biologika als Injektion bzw. Spritze und sogenannte kleine Moleküle (Januskinase-Hemmer) in Tablettenform. Diese modernen Therapien können zu einer sehr schnellen und deutlichen Juckreizlinderung und zu einem nahezu erscheinungsfreien Hautbild führen.

Beide modernen Therapien sind Dauertherapien, um die Erkrankung durchgehend zu kontrollieren. Eine Heilung der Neurodermitis ist momentan noch nicht möglich.

Januskinase (JAK)-Hemmer

„Kleine Moleküle“, auch „small molecules“ genannt“, sind Wirkstoffe, die direkt im Zellinneren gezielt ihre Wirksamkeit entfalten können. Zu den kleinen Molekülen gehören Januskinase-Hemmer. Diese unterbinden die Übertragung des Signals, das in den Zellen die Produktion der entzündungsfördernden Botenstoffe auslöst.

Es gibt mehrere Substanzen aus der Gruppe der JAK-Hemmer, die bei der Behandlung der Neurodermitis verwendet werden:

  • Upadacitinib, zugelassen ab 12 Jahren
  • Abrocitinib, zugelassen ab 18 Jahren
  • Baricitinib, zugelassen ab 18 Jahren

Alle Medikamente aus dieser Gruppe werden täglich einmal in Tablettenform eingenommen. Abhängig von der Schwere der Erkrankung gibt es unterschiedlichen Dosierungen. Die Therapie ist daher sehr flexibel.

Januskinase-Hemmer wirken besonders rasch auf den quälenden Juckreiz, reduzieren Anzahl und Schwere der Schübe und  lassen Haut-Ekzeme abheilen. Bei vielen Patienten verschwinden dadurch die Neurodermitis-Symptome. Sie können mit oder ohne Kortison-Cremen verwendet werden.

Biologika

Biologika sind monoklonale Antikörper, die an einen Botenstoff des Immunsystems oder an seinen Rezeptor binden. Damit verhindern sie, dass das entzündungsfördernde Signal seine Auswirkungen entfalten kann. Der restliche Teil des Immunsystems läuft unbeeinträchtigt weiter. Biologika sind biotechnologisch hergestellte Medikamente und werden in Injektionsform verabreicht. Biologika reduzieren Anzahl und Schwere der Schübe, Ekzeme und Juckreiz. Bei vielen Patienten verschwinden dadurch die Neurodermitis-Symptome. Sie können mit oder ohne Kortison-Cremen verwendet werden.

Bei Neurodermitis kommen aktuell 2 Biologika-Wirkstoffe zum Einsatz:

  • Dupilumab, zugelassen ab 6 Jahren
  • Tralokinumab, zugelassen ab 18 Jahren

Biologika werden mittels Injektion unter die Haut in Bauch oder Oberschenkel gespritzt. Je nach Therapie wird die Injektion alle 2 oder alle 4 Wochen verabreicht.

Alternative Therapien

Zusätzlich zu der gezielten medikamentösen Behandlung gegen die atopische Dermatitis werden oftmals auch Medikamente gegen Allergien verschrieben sowie Antibiotika aufgrund von bakteriellen Infektionen.

Zu den medizinisch anerkannten Maßnahmen gehören z.B.

  • Klima-Therapien
  • Entspannungstechniken
  • Neurodermitis-Schulungen