Roundtable-Talk: Der Weg zu klaren Therapiezielen in der Neurodermitis


In einem aufschlussreichen Roundtable-Gespräch teilten Experten und Patienten Erkenntnisse und Erfahrungen zum Management der Neurodermitis. Im gemeinsamen Dialog wurden Herausforderungen bei der Patientenversorgung diskutiert sowie innovative Ansätze erörtert, um Patienten auf dem Weg zu klaren Therapiezielen zu unterstützen.

Das Bedürfnis nach Aufklärung und Empowerment

Ein zentrales Thema des Gesprächs war die unzureichende Aufklärung der Patienten über bestehende Behandlungsmöglichkeiten. Dr. Tamara Arnoldner, Oberärztin an der Uniklinik für Dermatologie an der MedUni Wien, betonte: „Patienten sind oft noch nicht gut über Systemtherapien informiert.“ Viele Menschen mit Neurodermitis haben eine lange Leidensgeschichte ohne nachhaltigen Therapieerfolg hinter sich. Hier kann die gezielte Patientenaufklärung helfen, Ängste und Unsicherheiten abzubauen. „Wir müssen die Patienten besser identifizieren, die ein Step-up in der Therapie brauchen,“ fügte sie hinzu.

Minimale Beschwerden, maximale Lebensqualität

Ein wiederkehrendes Thema war die Wichtigkeit individueller Therapieziele. Der Ansatz der „minimalen Krankheitsaktivität (Minimal Disease Activity, MDA)#, der auf einer internationalen Publikation basiert, kann dabei unterstützen. Dieser Ansatz verbindet die sogenannten „Treat-to-Target“ Prinzipien mit der gemeinsamen Entscheidungsfindung zwischen Arzt und Patient. „Das Ziel ist, die Krankheitslast so zu minimieren, dass ein weitgehend normales Leben möglich ist,“ erklärte Dr. Knut Prillinger, Oberarzt an der Hautabteilung des Uniklinikums St. Pölten. Fragebögen und Scores ermöglichen es dabei, den Krankheitsverlauf systematisch zu dokumentieren und Therapieerfolge oder -anpassungen besser zu bewerten. „Es geht darum, durch gemeinsame Zielsetzungen und regelmäßige Kontrolltermine die bestmögliche Therapie zu finden,“ so Dr. Prillinger.

#Combining treat-to-target principles and shared decision-making: International expert consensus-based recommendations with a novel concept for minimal disease activity criteria in atopic dermatitis: Journals of the European Academy of Dermatology & Venerology, 2024; https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38989857/


Patient*innen und Expert*innen diskutieren Wege zum erfolgreichen Management der Neurodermitis


Gemeinsame Therapieentscheidung

Karin Meinhart, Gründerin von hautinfo.at, lebt selbst seit frühester Kindheit mit Neurodermitis und weiß aus eigener Erfahrung: „Es braucht Vertrauensaufbau und einen gemeinsamen Nenner zwischen Arzt und Patient.“ Sie unterstrich die Bedeutung eines offenen Dialogs: „Nur durch ehrliche und offene Gespräche konnte ich mit meinem Hautarzt zur optimalen Therapie finden.“

Gundula Koblmiller, Präsidentin und Sprecherin der Österreichischen Lungenunion, macht auf ein wichtiges Angebot aufmerksam: „Wir unterstützen Patient:innen mit dem von uns entwickelten "Persönlichen-Therapie-Management-Plan Neurodermitis" (PTMP-N), damit sie ihre Erkrankung und Symptome durch Dokumentation und Verlaufskontrolle besser kennenlernen. Weiters sind Tipps für die Gemeinsame Therapieentscheidung, Begleiterkrankungen und Vorbereitung auf den nächsten Arzttermin Teil unseres PTMP-N."

Psychosoziale Aspekte in der Behandlung berücksichtigen

Die Runde diskutierte auch über die Folgen der psychosozialen Belastungen. Psychiater und Psychotherapeut Dr. Matyas Galffy wies darauf hin, dass „die emotionale Belastung oft unterschätzt wird.“ Patienten sollten ermutigt werden, psychologische Unterstützung in Anspruch zu nehmen, da dies eine wesentliche Rolle im Behandlungserfolg spielen kann.

Social Media Influencerin Vicky lebt selbst mit Neurodermitis und betonte die Bedeutung eines positiven Mindsets: „Es hilft mir zu wissen, ich habe Mittel und Wege, wenn die Neurodermitis aufflammt. Diese Strategien sind sorgfältig mit den Ärzten abgestimmt und geben mir das meiste Gefühl von Kontrolle.“

Moderne Therapien als Schlüssel zu einem beschwerdefreien Leben

Die Teilnehmer waren sich einig, dass moderne Systemtherapien eine wichtige Rolle dabei spielen können, das Leben der Patienten zu verbessern. Dr. Arnoldner hob hervor: „Es gibt viele Studien, die zeigen, dass eine frühzeitige und konsequente Behandlung langfristig auch das Risiko von Begleiterkrankungen reduzieren kann.“ Patienten sollten sich deshalb aktiv über verschiedene Therapieoptionen informieren und jedenfalls in die Entscheidungsfindung eingebunden werden. Schließlich lautet das gemeinsame Ziel, so Dr. Prillinger: „minimale Krankheitsaktivität bei maximaler Lebensqualität zu erreichen.“